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Fliesen bohren leicht gemacht!

  • von Gemax Magazin
  • 1. Juli 2022
Fliesen bohren leicht gemacht!

Bei Handwerkern berüchtigt, dem Heimwerker teils gar nicht bekannt: die Schwierigkeiten bei der Verarbeitung von Fliesen – oder dem, was gemeinhin als Fliese bezeichnet wird. So kann schon mal ein ganz profanes Vorhaben, nämlich das Bohren von Löchern, zu einer echten Herausforderung werden. Manche Bohrer schaffen z.T. nur ganz wenige Löcher, manche versagen beim ersten Loch. Mit dem richtigen Werkzeug jedoch ist praktisch jede Anforderung zu schaffen, ohne spezielle Maschinen anschaffen zu müssen.

Baustoffe befinden sich im stetigen Wandel, entwickeln sich weiter und stellen den Anwender bei vermeintlich einfachen Aufgaben vor teils ungeahnte Schwierigkeiten. Was früher eine fragile Fliese war, kann heute ein Baustoff mit ungeahnter Härte und Stabilität sein. So war es damals kein Problem, eine Fliese in benötigten Maßen anzuritzen und zu brechen. Oder bei Nutzung von kleinen Hilfsmitteln wie z.B. dem „FliesenLochBoy“ ein Loch mitten in die Fliese mit einem Hammer zu schlagen, für Rohre und Anschlüsse. Techniken, die heute praktisch nicht mehr möglich sind.

Zum Glück entwickeln sich nicht nur die Werkstoffe, sondern auch die Werkzeuge weiter. Und so finden die Werkstoffe Diamant und Hartmetall seit einigen Jahren Einzug in die Verarbeitung von Fliesen aller möglichen Arten, von Ton über Glas, Porzellan bis hin zu Keramik bzw. Feinsteinzeug. Ursprünglich aus der Steinbearbeitung kommend, wurden diese Werkzeuge auf die Eigenheiten der genannten Baustoffe optimiert und verbessert, sodass wir heute auf ein Sortiment an verschiedenen Werkzeugen zugreifen können, welche eine sehr gute Performance bei der Verarbeitung bieten.

Hartmetall A–Z: Was du schon immer wissen wolltest

Hartmetall findet in der heutigen Werkzeugtechnik zu Recht immer mehr Einsatz. Der Werkstoff ist extrem hart im Vergleich zu Metall-Legierungen. Hartmetall wird pulvermetallurgisch hergestellt: Kobalt, Wolfram-Karbid und diverse andere Zusätze werden in Pulverform vermischt und unter Druck und Hitze in Form gepresst, bis sie eine homogene Masse ergeben. Die daraus entstehende Schneide wird gelötet oder laser-geschweißt am Werkzeug angebracht.

Diamanten A–Z: Was du schon immer wissen wolltest

Diamant ist der härteste Werkstoff der Welt. Früher aufwändig geschürft, heute synthetisch hergestellt für den Einsatz in härtesten Materialien: entweder als Diamant-Korn, per Hartlot im Vakuumverfahren an den Körper des Werkzeugs gebunden, oder – wie Hartmetall – zu Segmenten verpresst, oder als polykristalliner Diamant (PKD) in größeren Formaten hergestellt. Gerade für abrasive Anwendung in harten Materialien wie Stein, Beton oder Feinsteinzeug ist er Mittel erster Wahl.

Hartmetall oder Diamant – was in der Anwendung zählt

Hartmetall zeigt seine Stärke dort, wo wir einen hohen Quarzanteil haben – primär in Glas, mit Abstrichen in der Standzeit dann auch bei Keramik und Porzellan. Hartmetall-Bohrer sind günstiger im Kaufpreis als Diamantwerkzeuge, teils auch präziser in der Anwendung. Aufgrund der definierten und geschliffenen Schneide lassen sich damit schöne, saubere Löcher bohren. Das limitierende Element ist hier explizit die Härte der Fliese – bis Ritzhärte 3 ist dieses Werkzeug wirtschaftlich einsatzfähig, das gilt für die meisten Wandfliesen. Bei Bodenfliesen, die einer höheren Belastung standhalten müssen und somit größtenteils deutlich härter sind, bricht die Standzeit jedoch ein. Man bekommt wesentlich weniger Löcher gebohrt – der Preis pro Loch steigt, die Wirtschaftlichkeit sinkt. Durch Kühlung mit Wasser kann man diese zwar etwas steigern, aber sie ist weiterhin begrenzt.

Und genau hier gewinnen dann die Diamantwerkzeuge deutlich an Bedeutung: teurer in der Anschaffung, aber weitaus länger verwendbar, überzeugen sie mit ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Härtegrad spielt keine Rolle mehr, und durch eine breitere Auswahl an nutzbaren Maschinen steigt die Arbeitsgeschwindigkeit zum Teil massiv. Wo Hartmetall-Bohrer nur mit Akkuschrauber und Bohrmaschine genutzt werden können, kommt bei Diamantwerkzeugen auch noch der Winkelschleifer dazu, welcher mit 12.000 U/min den Schnitt in wenigen Sekunden schafft. Dadurch avanciert diese Art der Bearbeitung auch zur bevorzugten Art bei professionellen Anwendern und Handwerkern.

Mit einem Adapter Sechskant zu M14 kann ich M14-Bohrkronen auch mit der Bohrmaschine nutzen! (Sechskant zu M14 – Art.-Nr. 878-11012)

– Alexander Barthuli, Produktmanagement

Die wichtigsten Werkzeuge im Überblick

Black Edition – Diamantbohrkronen

Für den kleinen Einsatz: im Set oder auch einzeln erhältliche Bohrer für Fliesen und Feinsteinzeug, mit 1/4"-Sechskant-Schaft für Akkuschrauber und Bohrmaschine. Dank Wachsfüllung auch trocken verwendbar!

  • Anwendungstipp: Schräg anbohren, aufrichten, leicht taumelnd durch die Fliese bohren.
  • Do: Bei tieferen Löchern zwischendrin den Bohrstaub entfernen.
  • Don't: Nur ohne Schlag zu verwenden!

Dry Angle – Glas- & Fliesenbohrer

Perfekt geeignet für Wandfliesen, Keramikfliesen und Glas: Weiche Fliesen (bis Ritzhärte 3) mit Akkuschrauber oder Bohrmaschine ohne Abrutschen bohren, ist mit dem Dry Angle Bohrer problemlos möglich!

  • Anwendungstipp: Nach dem Durchbohren durch die Fliese einen Bohrer für Mauerwerk verwenden.
  • Do: Langsam bohren schont die Schneide.
  • Don't: Nicht drücken beim Bohren, um die Fliese nicht zu sprengen.

Mehrzweck Bohrer – Bohrer für Multi Material

Ohne Bohrerwechsel durch Wandfliese und Mauerwerk – kein Problem für diesen Bohrer mit optimierter Hartmetallschneide. Ob Leichtbau, Rigips-Doppelbeplankung oder Mauerwerk: einfach durchbohren! (5-tlg. Set Ø 4–10 mm, Art.-Nr. 859-601004)

  • Anwendungstipp: Bei Fliesen langsam drehen, bei Stein, Metall und Holz Vollgas!
  • Do: Kontrolliert Druck ausüben, um die Fliese nicht zu zerbrechen.
  • Don't: Kein Schlag verwenden, dies macht die Schneide stumpf!

Red Edition – Diamantbohrkronen

Der Profi: höchste Qualität und Standzeit, von Fliesenlegern geschätzt. Verfügbar in allen gängigen Durchmessern, zur trockenen Anwendung mit dem Winkelschleifer in härteste Fliesen, Granit und Marmor.

  • Anwendungstipp: Ein Stück nasser Schwamm in der Bohrkrone bindet Staub und kühlt.
  • Do: Schnelle, taumelnde Bewegungen erhöhen die Lebenszeit!
  • Don't: In Wasser „abschrecken“ macht das Hartlot porös und führt zum Verlust der Diamanten.

Fertige Sets

  • Red Edition Set 14 – Diamantbohrkronen im Set Ø 5–68 mm (Art.-Nr. 859-700051)
  • Red Edition Set 8 – Diamantbohrkronen im Set Ø 20–68 mm (Art.-Nr. 859-700044)
  • Dry Angle Set 3 – Glas- & Fliesenbohrer im Set Ø 6–10 mm (Art.-Nr. 859-62030)

Must-Do's für Diamantwerkzeuge

  1. Anbohrhilfe verwenden – diese kann man kaufen oder selbst aus einem Stück Holz herstellen.
  2. Ohne Anbohrhilfe geht's aber auch: im 45°-Winkel ansetzen, anritzen, aufrichten und durchbohren.
  3. Bei Nutzung des Winkelschleifers ist meist nur eine trockene Anwendung möglich. Beim Bohren mit der Bohrmaschine/dem Akkuschrauber kann eine Wasserkühlung die Standzeit erhöhen, da der Bohrvorgang länger dauert und eine höhere Belastung der Bindung der Diamanten im Hartlot darstellt.

Der richtige Bohrer für dein Projekt

MaterialGlas- & Fliesenbohrer (859-62)Diamantbohrkrone (852-69)Mehrzweck Bohrer (859-60)Diamantbohrkrone (852-70)
Glas
Keramik
Feinsteinzeug
Mauerwerk
Metall
Holz

Aus dem GEMAX Magazin

Dieser Beitrag stammt aus dem GEMAX Magazin · Ausgabe Q3 2022. Das komplette Magazin als PDF ansehen →

GEMAX Magazin · Ausgabe Q3 2022 – Seite 12
GEMAX Magazin · Ausgabe Q3 2022 – Seite 13
GEMAX Magazin · Ausgabe Q3 2022 – Seite 14
GEMAX Magazin · Ausgabe Q3 2022 – Seite 15